
Lienen - „Hört Ihr Leut und lasst Euch sagen... unsere Uhr hat 8 geschlagen.“ So klangen die Stundenrufe des Nachtwächters, als er im Mittelalter von der Abenddämmerung bis zur Morgenröte seine Runden durch das Viertel ging und zu jeder vollen Stunde mit seinem Hornsignal die Uhrzeit verkündete.
46 Interessierte sind am Samstagabend der Aufforderung nachgekommen, Nachtwächter Reinhard Schmitte mit Fackeln durch das Lienener Dorf zu begleiten. Nach einer kurzen humorvollen Einführung über die Zubereitung des Grünkohls und wann man ihn am besten genießt, führt Reinhard Schmitte im historischen Gewand durch das Dorf.
Er kennt nicht nur alle Schleichwege und Winkel, er ist ebenso vertraut mit dem finsteren Treiben vergangener Zeiten. Auf dem Weg werden allerlei düstere Geschichten von reichen Kaufleuten und schmutzigen Gassen erzählt, vom regen Markttreiben und weltlicher Gerichtsbarkeit. Nachtwächter, das ist mehr als eine Laterne in der Hand eines Stadtführers! Lienens Nachtwächter verkauft seine Anekdoten mit einer großen Portion Humor und so ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder herzhaftes Lachen zu hören ist.
Am Ende des Rundgangs ertönt sein Horn ein letztes Mal. Man hat Seltsames, Humorvolles und Uriges aus früheren Tagen erfahren.
Im Anschluss hatten der Vereins Ortsmarketing Lienen und das Café-Restaurant Pellemeier zum Grünkohlessen geladen. Nach Regen, Kälte und heftigem Wind schmeckte das grüne Gemüse noch mal so gut. Zum Abschluss ließ es sich der Nachtwächter nicht nehmen, mit einem Schnäpschen auf den gelungen Abend anzustoßen.
Dank der großen Resonanz ist eine Wiederholung, natürlich mit neuen Geschichten und der ein oder anderen Überraschung, Anfang 2011 geplant.