
Lienen - Fast 40 Zuhörer fanden den Weg in das Haus des Gastes, um dem Vortrag von Dr. Wilhelm Wilkens über die Wasserläufe Lienens zuzuhören. Die Vortragsveranstaltung wurde vom Lienener Verein Ortsmarketing organisiert.
Zu Beginn seiner Ausführungen machte der Referent die Zuhörer mit der Lage von acht Quellen am Südhang des Teutoburger Waldes vertraut. Die dort entspringenden Wasserläufe waren in alter Zeit Voraussetzung für die Ansiedlung von Höfen, waren doch Menschen und Tiere auf deren Wasser angewiesen. Die alten Höfe lagen zum Berghang des Teutoburger Waldes hin, denn in den Flachgebieten der Ebene war es weithin zu sumpfig. Einige Bäche wurden von den Bauern zu bestimmten Zeiten gestaut, um die Wiesen und Weiden zu flößen. Um die Staurechte gab es so manche Auseinandersetzung. An den Wasserläufen wurden Mühlen gebaut, meist kleine Schrot-, Öl- und Bockemühlen. Für die Entwicklung Lienens waren vor allem die Bockemühlen bedeutsam. Es gab kaum einen Bach in Lienen, dessen Lauf nicht im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit verschiedener Mühlen umgeleitet wurde.
Anhand detaillierten Kartenmaterials führte Dr. Wilkens seine Zuhörer anschließend virtuell zu den Quellen der Liene, des Ölmühlenbachs und zur Brüggeliethquelle. Früher gab es entlang der Liene vom Ortskern bis zum Waldrand ein Pättken, an das sich einige der Zuhörer noch erinnern konnten. Es wurde angeregt, diesen Weg neu anzulegen. Die Liene nahe des Hofes Grundmann auf der Nordseite des alten Deetweges, der historischen Verbindung zwischen Ostenfelde und Lengerich, ist ein historischer Ort. Er trägt den Namen Jankamp. Dr. Wilkens stellte zur Erklärung dieser Bezeichnung eine Verbindung zur Lienener Kirche her, die zu vorreformatorischen Zeiten nach Johannes dem Täufer benannt war. Der Jankamp ist also der Johanneskamp, an dem die Gemeinde jährlich aus der Liene oberhalb des Deetwegs sauberes Wasser für das Taufbecken in der Kirche schöpfte. Der Hof Grundmann existierte hier vor 1740 noch nicht.
Die gedankliche Wanderung führte dann am Waldrand entlang zum Wasserfall und weiter zur Quelle des Ölmühlenbachs. Dieser Bach mündete früher in den Teich des ehemaligen Rittergutes Kirstapel mit seiner Öl- und Wassermühle. Hier gab es früher noch Teichmuscheln, die man heute in unserer Region meist vergeblich sucht. Der erste Teil der virtuellen Wanderung endete in Lienens vielleicht schönster Quelle, der Brüggelieth-Quelle. Abschließend wurde an die nordöstlich des Ortskerns gelegenen vier Quellen erinnert. In seinen Ausführungen behandelte der Referent auch das Gut Hohenfelde und einige weitere Höfe entlang der Jelze.
Zahlreiche Ergänzungen und Anregungen aus dem Kreis der Zuhörer offenbarten ein großes Interesse an der Anlage eines Wanderwegnetzes, über das die Quellen für Einheimische und Touristen zugänglich gemacht werden könnten. Auch solle eine behutsame Reinigung und Pflege der Quellbereiche die Quellen attraktiver werden lassen. Ortsmarketing und Gemeindeverwaltung wurden in den zahlreichen Redebeiträgen ermuntert, den Plan der Ausweisung eines Quellenwegs in die Tat umzusetzen, wobei möglichst bereits vorhandene Wanderwege genutzt werden sollen. Später könnten auch die Quellen im Raum Holperdorp und die unteren Wasserläufe in den Bauerschaften in ein zu schaffendes Wanderwegenetz einbezogen werden. Der Verein Ortsmarketing wird in Zusammenarbeit mit dem Lienener Heimatverein und allen interessierten Vereinen, Bürgerinnen und Bürgern weiter an diesem Projekt arbeiten. Insoweit bildete der Abend den Startpunkt für ein Projekt, das Ortsmarketing und die Gemeinde noch längere Zeit beschäftigen wird.